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»Ich fühle mich, als wäre der Stecker gezogen worden« ist eine Äußerung, die nicht wenige von uns im unmittelbaren Umfeld bei Freund:innen, Kolleg:innen oder von Patient:innen hören. Oder kennen wir das Gefühl nicht auch von uns selbst? Das Deutsche Ärzteblatt berichtet: Angst vor einem Burnout hat unter den Beschäftigten in Deutschland zugenommen. 61 Prozent der Bundesbürger befürchten demnach, an Überlastung zu erkranken. Das sind elf Prozent mehr als vor der Coronapandemie im Jahr 2018, als dies nur jeder Zweite von sich sagte. Jeder Fünfte (21 Prozent) stuft demnach die Gefahr, ein Burnout zu erleiden, als »hoch« ein, vor der Pandemie waren es 14 Prozent. 40 Prozent bezeichnen die Gefahr immerhin als »mäßig«. Bezogen auf COVID konkretisiert das RKI: Bevölkerungsbasierte Studien berichten größtenteils Prävalenzen für Long COVID zwischen 5 % und 10 % bei Personen mit vorangegangener SARS-CoV-2-Infektion unter Berücksichtigung von Symptomen im Zeitraum von mindestens drei Monaten nach Infektion in Anlehnung an die vorläufige Falldefinition von Post-COVID-19 der WHO.
Was führt dazu, dass der Stresspegel allgemein zu steigen scheint, Erschöpfungszustände zunehmen und leibliche wie seelische Resignationen unseren Alltag bestimmen? Welche Rolle spielen dabei gestörte Schlafabläufe, ein »Overkill« an digitalen Informationen, die per SMS, WhatsApp, E-Mail oder sonstige Kanäle auf uns eindringen, vielleicht auch elektromagnetische Felder, die diese Informationen transportieren. Welche Rolle spielt Zeitmangel bei den Mahlzeiten, um ausreichend verstoffwechseln zu können, welchen Einfluss haben soziale Isolation sowie der Verlust innerer Bilder?
Interessanterweise kommt der Begriff »Stress« ursprünglich aus der Material-Forschung, ein Stück Stoff wird »gestresst« und Reiß-Tests unterzogen, bevor es z. B. als Bezug verarbeitet wird. Liegt dem Stress-Gefühl womöglich zugrunde, immer mehr als »Gegenstand«, als »Objekt« wahrgenommen zu werden, das immer mehr in immer kürzerer Zeit leisten soll? Wo holen wir Kräfte her? Woher schöpfen wir, wenn wir »schöpferisch« tätig sind? Setzt schöpferische Tätigkeit nicht gerade Kraft frei, obwohl wir am »werkeln« sind oder einfach mal schlafend »nichts tun«? Wir schöpfen Energie aus den Kräften der Nacht, aus gesunden Rhythmen, biologisch-dynamischer Nahrung, gesunden Bewegungsabläufen, Musik, zwischenmenschlicher Wärme und inneren Bildern, die uns einer geistigen Welt gegenüber wieder atmen lassen, einer Welt, aus der wir letztlich kommen und nach der wir eine innere Sehnsucht spüren. Somit sind therapeutische Ziele, den eigenen Leib wieder als »Instrument der Seele« zu erleben, die Natur um uns wieder als Kraftquelle zu entdecken und entsprechend zu erhalten, im Anderen nicht ein »Objekt«, sondern einen Mit-Menschen zu erkennen, der fühlt, mal schwache Phasen hat und in seiner Lebensmelodie auf der Suche nach echter Mitmenschlichkeit ist.
Wir freuen uns, Sie zu einem Seminar einladen zu können, in dem national wie international anerkannte klinisch, psychologisch und therapeutisch tätige Referent:innen der Frage nachgehen werden, was uns stärkt. Durch den interprofessionellen Ansatz wird deutlich, dass Lösungen nur orchestriert im Miteinander gefunden werden können. Besonders freuen wir uns auf den künstlerischen Abend mit Lucia und Demian Martin (Cello und Klavier) mit Klassik, Moderne und freien Improvisationen. Die Musik wird »unplugged« sein, also mit gezogenem Stecker, und wahrscheinlich gerade dadurch neue Kräfte freisetzen.
In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich im -Namen des Vorbereitungskreises und freue mich auf Ihr Kommen.
Dr. Jan Vagedes
